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Der Senator für Umwelt, Bau und Verkehr

Ausstellungseröffnung Stiftungsdorf Ellener Hof – ökologisch gebaut, bunt gemischt

05.02.2018

Baustaatsrat Jens Deutschendorf, Alexander Künzel, Vorstandsvorsitzender der Bremer Heimstiftung, und Senatsbaudirektorin Prof. Dr. Iris Reuther stellten heute Vormittag (Montag, 5. Februar 2018) eine Ausstellung zum Wohnungsbauvorhaben „Stiftungsdorf Ellener Hof“ vor. Der Bebauungsplan ist inzwischen zur Auslegung von der Baudeputation freigegeben worden. „Damit erreicht nun nach intensivem und konstruktivem Dialog zwischen allen Beteiligten ein ehrgeiziges Projekt seinen nächsten Meilenstein. Das Stiftungsdorf Ellener Hof stellt in der Bremer Bauhistorie etwas Einzigartiges dar. Ich freue mich sehr, dass wir bald mit der Realisierung beginnen können“, sagt Heimstiftungsvorstand Künzel. Auch Staatsrat Deutschendorf zeigt sich sehr erfreut über den aktuellen Fortschritt: „Die Ideen für ein komplett neues Quartier, wie sie uns die Bremer Heimstiftung präsentiert hat, sind nicht nur baulich, sondern auch in ökologischer und sozialer Hinsicht sehr bedeutend für Bremen. Wir werden dieses Projekt weiterhin eng und konstruktiv begleiten.“ Senatsbaudirektorin Reuther lobte den städtebaulichen Gesamtcharakter des Stiftungsdorfes Ellener Hof: „Der städtebauliche Entwurf ist hochgradig gelungen und der Fokus auf den Holzbau ist sehr innovativ. Ein Vorzeigeprojekt für unsere Stadt.“

Das zentrale Motiv für die Bremer Heimstiftung als Flächeneigentümerin und für den städtebaulichen Entwurf von DeZwarteHond / RMP Landschaftsarchitekten für das Stiftungsdorf Ellener Hof ist das urbane, vernetzte Dorf als neuer Baustein in der Stadtlandschaft von Bremen-Osterholz. Auf dem knapp 100.000 Quadratmeter großen, seit vielen Jahren wenig genutzten und mit einem hohen Zaun abgeriegelten Gelände wird auf der Basis dieses Grundgedankens ein neues urbanes, sozial-ökologisches Dorf entstehen. Neben Wohnungen für Studierende, für ältere Menschen und für zahlreiche soziale Träger, die besondere Wohnbedarfe anbieten, werden auch etwa 100 geförderte Sozialwohnungen errichtet werden. Die Bremer Heimstiftung wird mit vielen verschiedenen Bauinteressenten, mit den Bremer Wohnungsbauunternehmen aber auch mit vielen privaten Trägern die neue Bebauung im Ellener Hof realisieren. Dabei wird das Grundstück im Besitz der Heimstiftung bleiben. Für die einzelnen Baugrundstücke werden Erbbaurechte langfristig vergeben.

Mit vielen sozialen Einrichtungen, zwei Kindertagesstätten, einer Pflegeschule der Bremer Heimstiftung, verschiedenen weiteren Dienstleistungen, Arztpraxen, einem von Menschen mit Beeinträchtigungen bewirtschafteten Café und Kiosk oder einer Möglichkeit zur Fahrradreparatur entstehen zahlreihe Angebote und Anlässe für Leben und Kommunikation im Quartier. Die als Bestandsgebäude vorhandene Kulturaula wird bereits heute in der Regie eines Kulturvereins bespielt und zu vielfältigen Aktivitäten genutzt.

Diese große Nutzungsvielfalt sowie eine Vielzahl an Trägern mit professionellem und ehrenamtlichem Engagement bilden das Grundgerüst für eine bunte Bewohnerschaft aus Jung und Alt, multikulturell und sozial durchmischt. Gemeinsame Treffpunkte, Orte zum Spielen und für Gemeinschaftsprojekte sind in den Freiräumen angelegt, denen eine Schlüsselfunktion für den Austausch im Quartier zukommt.

Der in einem Werkstattverfahren 2016 entwickelte Entwurf vom Architektur- und Stadtplanungsbüro DeZwarteHond aus Köln (gemeinsam mit dem Landschaftsarchitekturbüro von RMP Stefan Lenzen | Hamburg, Köln) macht mit dem Erhalt eines Großteils der vorhandenen Altbaumbestände die Landschaft des Ellener Hofs, die neben den Bäumen auch durch einige markante und erhaltenswerte Gebäude geprägt ist, zu einem zentralen Motiv der weiteren Planungen. Verknüpft wird dieses Motiv der Bäume und Bestandsgebäude als historischer Schicht einer zukünftigen Entwicklung mit dem Leitmotiv des Holzbaus für alle neuen Gebäude für das Stiftungsdorf Ellener Hof. Einfache Gebäudevolumen orientieren sich in ihrer Stellung an dem Baumbestand als wichtigstem landschaftlichem Element.

Der nachhaltige Ansatz, nur recycelbare Materialien und hier vorwiegend Holz zu verwenden, wird durch den schon von Beginn an beachteten Altbaumschutz oder die Versickerung von Niederschlagswasser auf den Grundstücken und im öffentlichen Raum ebenso wie die Starkregenvorsorge zu einem ökologischen Gesamtansatz ergänzt. Dass alle Häuser einen KfW-40–Standard erzielen werden, ist dabei ein weiterer Baustein.

Nachfolgend auf das städtebauliche Werkstattverfahren im Jahr 2016 wurde mit mehreren Architekturbüros in einem kooperativen Verfahren ein Gestaltungsleitfaden durch konkrete erste Gebäudeentwürfe entwickelt. Ein Grünordnungsplan sichert den ökologischen Ansatz und bildet ebenfalls eine Gestaltungsgrundlage für den öffentlichen wie privaten Freiraum, der hier viele Orte der Begegnung, Möglichkeiten zum Spielen oder Naturerleben bieten wird.

Parallel dazu wurde der Entwurf des Bebauungsplanes, der am 14. Dezember 2017 in der Deputation beraten und zur Öffentlichen Beteiligung beschlossen wurde, auch im Zusammenspiel mit zahlreichen Gutachten und behördlichen Abstimmungen bearbeitet. Dabei wurden alle Planungsschritte in einer engen Abstimmung zwischen dem Senator für Umwelt, Bau und Verkehr (vor allem im Referat 61 Stadtplanung), der Bremer Heimstiftung und den beauftragten Planungsbüros durchgeführt.
Das Stiftungsdorf Ellener Hof ist zugleich als ein weiteres Modellquartier für „Klimaschutz durch Fahrradverkehr“ beantragt. Damit soll eine fahrradfreundliche Infrastruktur im Gebiet entstehen, zum Beispiel durch mehr öffentlich nutzbare Fahrradabstellmöglichkeiten oder durch eine zentrale Paketstation, von der aus mit Lastenrädern die immer zahlreicher werdenden Pakete und Päckchen im Quartier verteilt werden. Zugleich wird das neue urbane Dorf durch ein enges Wegenetz erschlossen und in die lokalen Fahrradrouten eingebunden. Das dient auch dazu, die nachhaltige Mobilität im gesamten Stadtteil zu unterstützen.

Voraussichtlich ab Herbst 2018 werden auf etwa 11 Baufeldern verschiedene Wohnungsbautypologien – vom Reihenhaus bis zum fünfstöckigen Mehrfamilienhaus – den unterschiedlichen Wohnbedürfnissen der zukünftigen Bewohner Rechnung tragen. Schwerpunkt – auch unter dem Aspekt der Holzbauweise und eines kostengünstigen Wohnungsbaus sollen dreigeschossige Gebäude sein, die mit möglichst individuellen Dachformen realisiert werden, die den vielfältig dörflichen Charakter prägen und mit den Bestandsgebäuden korrespondieren. Die Bremer Heimstiftung wird auch mit eigenen Neubauvorhaben versuchen durch modulares oder serielles Bauen preiswerten und gleichzeitig umweltfreundlich hergestellten Wohnraum zu schaffen.

Die Erschließung des Geländes erfolgt über eine bogenförmige Erschließungsachse mit Zufahrt über die Ludwig-Roselius-Allee. Der erste Ring ist eine Straße mit Erschließungsfunktion. Ergänzt wird dieser Ring um einen weiteren Ring als Mischverkehrsfläche. Ansonsten wird eine autoreduzierte Mobilität auf dem Gelände angestrebt. Private Stellplätze können zum Teil mit einer zentralen ebenerdigen Stellplatzanlage am Eingang des Gebiets realisiert werden oder sollen mit den jeweiligen Bauten kombiniert auf den Baufeldern entstehen. Ein Mobilitätskonzept zur Verringerung des Stellplatzbedarfs ist Teil des Konzepts. Im städtebaulichen Entwurf werden darüber hinaus die heterogenen Gebietsränder des Stiftungsdorfes thematisiert und jeweils passende Übergänge geschaffen.

Von heute, 5. Februar 2018, 18.30 Uhr, an wird der Stand der Planungen zum Stiftungsdorf Ellener Hof als Ausstellung bei der Baubehörde im Siemenshochhaus, Contrescarpe 72, 28195 Bremen, mit den beiden Schwerpunkten Holzbau und gemischte Quartiere in einer Ausstellung für alle Interessierten vorgestellt werden.

Am 14. Februar um 18.30 Uhr gibt es eine Fachveranstaltung „Bremen goes Holzbau“. Dabei handelt es sich um das Thema „Urbaner Holzbau, Vorteile und Herausforderungen zwischen Ökologie und Baugenehmigung“ von Elke Roswag-Klinge (ZRS Architekten Ingenieure, Natural Building Lab TU Berlin) mit anschließender Podiumsdiskussion.

Am 13. März um 18.30 Uhr wird die Ausstellung abgerundet von der Fachveranstaltung „Quartiere mischen“. Dazu gibt es einen Kurzvortrag „Gemischte Quartiere – Stolpersteine und Möglichkeiten“ von Cord Soehlke (Baubürgermeister Tübingen) sowie einen Kurzvortrag „Quartiersentwicklung als Prozess – wer mit wem und wie?“ von Ricarda Pätzold (Difu Berlin) mit anschließender Podiumsdiskussion.